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Die Berufung

Gerhard Grosche


Wir lesen beim Evangelisten Johannes: „Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus" (Joh 1, 35-37). Die Berufung erfolgt immer von Seiten des Herrn. Auch, wenn, wie hier im Evangelium deutlich, Johannes zunächst auf Jesus aufmerksam macht: „Seht, das Lamm Gottes!" Es folgt der Hinweis, dass die beiden Jünger hörten, was er sagte, und daraufhin Jesus folgten.

Hören und bereit sein ist die erste Aufgabe, die wir im Ruf Jesu Christi vernehmen und wahrnehmen müssen. Das Ohr, das Gott uns Menschen geschenkt hat, ist fähig, den von Gott ausgehenden Ruf aufzufangen, auch wenn dies durch einen Menschen geschieht, auch wenn dies durch Zeichen geschieht, die unübersehbar sind. Die beiden Jünger hätten das Wort des Täufers Johannes vernehmen, aber nicht darauf einzugehen brauchen. Dann wären sie an dem entscheidenden Punkt ihres Lebens vorübergegangen.
Hier begegnen wir der ersten Schwierigkeit, die wir im Ruf zur Nachfolge haben: Wir selber verbinden das Wort, den Ruf, der an uns ergeht, mit irgendwelchen, von uns selbst entwickelten und scheinbar notwendigen Grenzen oder auch Interpretationen. Indem wir Interpretationen geben, setzen wir naturgemäß auch Grenzen, die uns den Vollgehalt des Rufes nicht mehr vernehmen lassen. Nicht umsonst berichtet uns Lukas im 9. Kapitel über die Nachfolge, dass jemand sagt: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst" (Lk 9, 57b). Er hatte seine ganze Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, eine Bereitschaft, die er nicht überschauen konnte und vielleicht auch nicht wollte, die unbegrenzt schien, die aber gleich einen Dämpfer bekommt, weil Jesus deutlich macht, dass, wer immer ihm nachfolgt und nachfolgen will, nichts von dem erwarten kann, was ihm menschliche Sicherheit oder auch die aus menschlichen Maßen bestehende Heimat geben kann. Jesus macht ebenfalls deutlich, dass seine Heimat das Herz des Vaters ist, dort hat jeder Jesus-Nachfolgende ebenfalls seine Heimat: im Willen und im Herzen Gottes. Darum sind alle anderen Überlegungen, die wir am Anfang anstellen, Überlegungen, die auch im Laufe der Zeit kommen, immer zu prüfen an dieser so entscheidenden Stelle, ob wir nachfolgen, weil der Herr uns ruft und uns hineinruft in den Willen des Vaters.
Deshalb hört auch der von Jesus aufgeforderte Mann, der ihm nachfolgen soll und der als Einwand brachte, zuerst nach Hause zu gehen, um seinen Vater zu begraben: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!" (Lk 9,60). Wir haben selbstverständlich menschliches Mitgefühl mit einer solchen Situation, wie sie hier beschrieben ist. Doch die Frage, die hier aufgeworfen wird, ist die, ob die Liebe zu Gott so groß und so stark ist, ob das Feuer der Liebe zum Reich Gottes und damit zu Christus Jesus in uns lodert in einem solchen Maße, dass sie alle andere menschliche Liebe übertrifft. Das menschliche Herz des Christus-Nachfolgenden ist allein im Willen Gottes zu Hause, die menschliche Liebe gilt allein Jesus und dem Vater. Deshalb gibt es auch keine menschlichen Dinge, mögen sie uns persönlich noch so wichtig sein, die uns aufhalten dürfen, diese ganze Nachfolge zu leben, und die Bereitschaft, Christus zu folgen und in ihm zu sein, muss so weit und uneingeschränkt sein, dass wir uns darüber klar werden, dass Nachfolge allein damit zu tun hat.

Und so verstehen wir auch den dritten Mann, der Jesus nachfolgen will und der bittet: „Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen" (Lk 9,61). Die Antwort des Herrn macht noch einmal die ungeheure Bereitschaft der Liebe deutlich, die in der Nachfolge, dort, wo der Ruf Gottes uns erreicht, notwendig ist: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes" (Lk 9,62).
Die Unbedingtheit der Nachfolge Christi bedeutet das Fallenlassen aller menschlichen Grenzen. Wir müssen in der Nachfolge unsere Bereitschaft so ausweiten lassen, dass wir überhaupt keine Möglichkeit sehen, diese Bereitschaft dort zu begrenzen, wo Gott sie ausgeweitet wissen will. Viele der Vorbedingungen und Grenzen auf unserem Weg der Nachfolge kommen aus uns, weil wir letzten Endes uns irgendwo bequem einrichten wollen. Das bedeutet nicht, dass jemand unbedingt bequem sein will, aber es bedeutet, dass die Nachfolge Christi und damit die Liebe zu Gott, das Wohnen in seinem Herzen und Willen nicht unbedingte Priorität hat, die in der Nachfolge aber wesensnotwendig ist. Wir sollten uns auf diesem Weg der Nachfolge daran erinnern, dass der Ruf Jesu Christi ein Ruf ist, der uns so sehr in die Mitte des Lebens der Schöpfung hineinruft, so sehr in die Liebe hineinruft, dass diese Liebe alles überstrahlt. Der von Christus berufene Mensch verzichtet deshalb darauf, sich selber Wege zu wählen und zu bahnen, weil er einzig auf den Weg ausgerichtet ist, den Weg beschreitet, der der Sohn ist.
In dem Bericht Johannes 1, 35ff. wird dann von den beiden Jüngern, die ihm folgten, berichtet, dass sie Jesus fragen: „Wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde" (Joh 1, 38b.39).

Hier wird ein zweiter Punkt der Nachfolge und damit der Berufung klarer. Der Herr beginnt mit den ihm nachfolgenden Menschen das Gespräch und lädt sie ein, bei ihm zu sein und zu bleiben. Damit ist eine besondere Auszeichnung verbunden, denn schließlich ist Berufung und Nachfolge nichts anderes, als in die Nähe des Herrn gerufen zu sein, ihm nicht dann und wann zu begegnen, nicht dieses oder jenes von ihm zu hören, sondern die neue Gemeinschaft mit ihm und untereinander wird darin deutlich. Hier wird aber auch ausgesprochen, dass Nachfolge nicht im menschlichen Tun besteht, zunächst nicht, sondern nichts anderes soll geschehen, als auf sein Wort hin ihm wirklich zu folgen und zu sehen, was in seiner Gemeinschaft ist. Eine solche Aufforderung in der Berufung ist für uns wie ein ermunterndes Wort, ist wie eine Aufhellung unseres Lebensweges, ist die Liebe, die unser Leben fruchtbar machen will. Diese Aufforderung bedeutet aber auch zugleich, dass der Mensch die bisherigen Pfade und Wege verlässt, dass nicht mehr seine Meinung entscheidend gefragt ist, dass er hören und schauen soll, gleichsam sich umsehen und mit Interesse und auch mit innerer offener Bereitschaft nicht nur die Sinne öffnet, sondern auch das Herz, um Christus und sein Leben wahrzunehmen.
Vielleicht kommen jetzt schon wieder Gedanken wie: Kann ich das alles? Wie soll ich das mit meiner Arbeit in Einklang bringen? Wie stehen meine Verwandten und Familien dazu, Freunde, die ich kenne, mit denen ich vielleicht Verbindung habe, usw. Diese Fragen, so wichtig sie sein mögen, sind zunächst ganz an den Rand gerückt. Überragend, weil in der Liebe zu uns gesprochen, ist die Aufforderung Jesu: Kommt und seht. Diese Aufforderung zum Kommen in seinen Lebenskreis ist zunächst einmal verbunden damit, dass der Mensch die Faszination des Hörens erlernen muss, ein anderes Hören, als er es bisher gewohnt war, weil im bisherigen Hören immer der Mensch selbst vorhanden war. Nun aber tritt er gleichsam aus seinem Lebenskreis heraus und hört, was ihm zugesprochen wird. Er hört es in der Einfachheit des Herzens und in der Faszination des Blickes, die ihn mit Christus verbindet. Es ist so, als ob in dieser Einladung Jesu bereits deutlich wird, dass der Mensch an jener Stelle angesprochen wird, an der er von der Liebe genötigt, eingeladen, aufgefordert wird, nicht taub zu sein gegenüber dem Ruf des Herrn, sondern in voller Bereitschaft seinem Wort zu folgen und fähig zu werden, ihn als den Herrn zu sehen, der in aller Liebe doch schon für ihn gewählt hat und dessen Wahl wir in der Gemeinschaft mit ihm schauen lernen und natürlich auch anerkennen, sozusagen seine Wahl mit unserer Freiheit neu wählen. Hier wird aber auch deutlich, dass Jesus die Apostel einführen will darin, dass nicht die Sehnsüchte ihres eigenen Herzens wichtig sind, sondern der Weg in das Absolute, der Weg in die vollkommene Liebe, der Weg in eine Bereitschaft, die allein uns letzten Endes innerlich beglücken und erfüllen wird. Man wird auf die Seite Christi geholt, lernt nun zu hören, was denn im Reich Gottes wichtig ist, in welcher Weise die Liebe Gottes ihre Erfüllung in uns findet, und man lernt zu sehen, was es um die Liebe in der Gemeinschaft mit Christus ist und das Neue, das sich im Reich Gottes unseren Augen sichtbar macht. Der Mensch lernt, auf eigene Maßstäbe zu verzichten, er wird lernen, dass er handeln und leben soll aus dem, was er gehört und geschaut hat und nicht aus dem, was er selber wünscht.

Nun treffen die beiden Jünger den Simon, den Bruder des Andreas, und berichten ihm, dass sie den Messias gefunden haben, Christus. „Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus)" (Joh 1,42).

Jesus gibt dem Simon, dem Sohn des Johannes, zu verstehen, dass er ihn kennt. Er nennt ihn beim Namen und drückt darin aus, dass er sein Wesen kennt und durchschaut. Das gilt für jeden, der von Gott berufen ist, dass der Herr ihn kennt und ihn beim Namen genannt hat. Nicht umsonst wird uns in den Briefen des Apostels Paulus immer wieder davon berichtet, dass Gott uns, wie er im Epheserbrief schreibt, von Ewigkeit her erwählt hat (vgl. Eph 1,4). Doch er gibt dem Simon einen neuen Namen, obgleich dieser ja erst zu Jesus kommt, ihn kennen lernt und Jesus von Simon noch nichts erfahren, noch nichts gesehen und gehört hat. Doch dieser neue Name bezeichnet auch ein neues Wesen. Jesus hat seine ganze Sendung, die er auf Simon abgestimmt hat, bereits in diesem Namen ausgedrückt. Darin ist aber sicherlich auch zum Ausdruck gebracht, dass derjenige, der ihm nachfolgt, nicht im Finstern wandelt, wie Jesus im Johannesevangelium sagt, denn der Mensch lebt ständig in Christus und seinem Licht. Schließlich ist er das Licht der Welt. So vermögen wir bei unserer Berufung zu erkennen - und es muss wohl auch vorausgesetzt werden -, dass der Herr uns in sein Licht stellt, dass keine Berufung von Christus ausgesprochen wird, die den Menschen in seinem Alltag und seinen bisherigen Ordnungen belässt, sondern dass immer das Licht Gottes aufleuchtet und uns erhellt. In diesem Licht werden wir erkennen, wozu wir uns bereiten müssen und was wir vom bisherigen Leben aufgeben müssen. Es ist dieser Weg ein Weg zur Vollkommenheit, ein Weg der Gemeinsamkeit mit Christus, ein Weg im Willen des Vaters. In diesem Licht wird auch deutlich, dass der von Christus Berufene nicht mehr von dieser Welt ist (vgl. Joh 17,14), dass sein Leben mit Christus in Gott verborgen ist (vgl. Kol 3,3) und dass er nun sucht, „was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt" (ebd. 3,1). Es ist darum wichtig, dass wir uns im Licht Christi von ihm selbst, der die Wahrheit ist, unterrichten lassen, nicht mittels flüchtiger Zeichen und Worte, sondern durch sein eigenes Wort. Darum gilt für jeden, der von Gott berufen ist, dass er durch sein Wort hingeführt wird in dieses Licht, aber auch dazu, zu erkennen, dass alles, was geworden ist, durch das Wort geworden ist (vgl. Joh 1,3). Unsere Berufung ist also durch das Wort geworden, und unser Weg in der Berufung wird vom Wort geführt und geleitet. Darum verlangt das Ja zum Ruf Jesu Priorität und verlangt auch Totalität. Man kann nicht nur ein Stück seiner selbst geben oder ein Stück seiner Zeit und seines Willens, denn dieser Ruf ist damit nicht beantwortet, weil er ein ganzes Leben einfordert und auch erfüllt, aber nur dann erfüllt, wenn dieses Leben sich ihm ganz schenkt. „Das heißt aber eben auch: Es gibt den Augenblick Jesu Christi, und den kann man nicht verschieben und rechnen und sagen: ‘Ja, ich will schon einmal, aber jetzt ist es mir noch zu gefährlich. Jetzt will ich noch dies und jenes tun.' Man kann den Augenblick seines Lebens verpassen und gerade mit solcher Vorsicht das Eigentliche seines Lebens verspielen, das dann nicht mehr einzuholen ist. Es gibt die Stunde des Rufes, in der die Entscheidung da ist, und dann ist sie wichtiger als das, was wir uns noch ausgedacht haben und was an sich auch ganz vernünftig ist. Die Vernunft Jesu und sein Ruf haben Vorrang; sie kommen zuerst. Diesen Mut, das uns so vernünftig Scheinende zurückzustellen vor dem Größeren, der er ist, ist nicht nur im ersten Augenblick, sondern immer wieder auf allen Stücken des Weges entscheidend. Nur so kommen wir wirklich in seine Nähe." (Joseph Kardinal Ratzinger, Diener eurer Freude, S. 32.33). Es muss nicht nur das Licht Gottes geschaut und im Licht Gottes alles andere gesehen werden, sondern man muss auch die Sprache Gottes verstehen, sein Wort hören, denn „wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort" (Joh 8,47). Der Mensch muss Verzicht auf die eigenen Maßstäbe leisten, denn nur darin versteht er die Sprache Gottes.

Jesus trifft in der Perikope Joh 1, 35ff. dann Philippus und sagt zu ihm: „Folge mir nach!" (Joh 1,43). Wir hören von Philippus zunächst keine persönliche Reaktion, aber er trifft Natanael und sagt zu ihm: „Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs" (Joh 1,45).
Wenn wir wirklich in die Gemeinschaft mit Christus gelangt sind, dann beginnt auch zugleich die Sendung. Es hat keinen Zweck, über diese Sendung nicht zu sprechen, sie vor anderen geheim zu halten, weil sie sowieso keinen Sinn dafür haben, wie wir meinen. Wir sollten in solchen Situationen grundsätzlich davon ausgehen, dass Berufung zunächst die ureigenste Sache zwischen Gott und uns persönlich ist, aber dass damit auch eine Sendung beginnt. Diese Sendung kann nicht anders lauten als von der Liebe zu sprechen, die uns in Christus Jesus begegnet und überkommen ist, Zeugnis zu geben von dem, der uns berufen hat. Auch hier sollten wir nicht unsere eigenen Maßstäbe und Grenzen setzen, dass wir grundsätzlich über solche Dinge nicht sprechen und gleichsam die Berufung nur für eine private persönliche Angelegenheit halten. Ein Mensch, der die Botschaft von der Gegenwart Christi für sich behält, ist töricht. Wir können auch nicht die Botschaft auf bestimmte Menschen begrenzen, bei denen wir über religiöse Dinge sprechen können, vermeintlich sprechen können. Vielmehr gilt, dass wir grundsätzlich bereit sein müssen, jedem Rede und Antwort zu stehen, wie Petrus schreibt, der das Zeugnis von unserer Hoffnung hören will und muss. Wir können das Zeugnis von Christus nicht einengen auf Situationen, in denen wir glauben, dass dort unser Zeugnis notwendig ist. Wir sollten vielmehr jede Situation auf den Willen Gottes hin befragen und dann Antwort geben.

Jesus kommt ins Gespräch mit Natanael, den Philippus zu ihm geführt hat, und Natanael fühlt sich durch ein Wort Jesu erkannt und nennt ihn Sohn Gottes und König von Israel (vgl. Joh 1,49). Jesus antwortet ihm: „Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen. Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn" (Joh 1, 50.51).

Hier wird wiederum deutlich, dass der Glaube des Natanael, obgleich er bereits den Kernpunkt trifft, nämlich dass Christus Gottes Sohn ist, doch ein offener Glaube sein muss, ein Glaube, der sich weiterführen lässt. Es ist gleichsam so, als ob Jesus hier die offenen Horizonte des Glaubens bis in die Ewigkeit geschildert hätte. Der Himmel wird geöffnet sein, und das bedeutet doch wohl, dass die ganze Fülle dessen, was Gott uns offenbaren will, zum Vorschein kommen, uns in die Augen gegeben wird, wenn wir denn wirklich Schauende sind, wenn wir wirklich Offene für die Offenbarung Gottes sind, wenn wir Menschen sind, die vermögen zu hören und zu lieben mit einem Herzen, das ganz auf Gott und seine Fülle ausgerichtet ist. Hier wird aber auch sofort deutlich, dass jede Eingrenzung unseres Glaubens auf bestimmte Dinge und Situationen vom Wort Gottes her keinen Grund hat. Die Liebe zu Christus und Gott kennt keine Grenzen. Weil sie aber keine Grenzen hat und kennt, darum dürfen wir in der Gemeinschaft mit Gott verbleiben und mit ihm leben. Alles andere ist dieser Liebe unterzuordnen. Deshalb schreibt Adrienne von Speyr: „Der Ruf Gottes kennt, um in einem Menschen lebendig zu bleiben, nur die Ewigkeit als Zeit und die Unendlichkeit als Raum. Und angesichts der Unendlichkeit und Ewigkeit kann der Mensch keinen für ihn abgegrenzten, ein für allemal festgelegten Standort beziehen. Seine Erziehung wird durch Gott selber in die Hand genommen; für seine Erprobung ist keine Zeit im voraus festgelegt. Seine Bereitschaft darf deshalb in keiner Beziehung festgelegt sein. So hat Maria ihr Ja-Wort gesprochen: als eine, die immerdar in der Haltung des Ja bleiben will, auch wenn die Forderungen sich verändern, auch wenn Enttäuschungen und Rückschläge kommen. Das Ja geht in ein lang nachhallendes Echo über, wird ununterbrochen wiederholt" (Adrienne von Speyr, Sie folgten seinem Ruf, S. 12). Gott wird uns Menschen immer wieder in diese seine Gegenwart hineinholen, und er wird uns immer neu und immer tiefer die Offenheit des Himmels erfahren lassen.

 
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